Kontext

bullet1 2.1.1) Perspektiven mit Wissensarbeit...

Kann Wissenschaft den c3-Mentalvirus überwinden?

 

2.1.1.1 Selbstlos organisierte Wissensarbeit

Die Erforschung von organisationaler Wissensarbeit steht ganz am Anfang schrieb Willke 1998: Sie ist offensichtlich nicht auf die selbstlose, inhaltsleere Unternehmensberatung und Finanzdienstleistungen beschränkt, sondern betrifft alle Organisationen, die mit wissensbasierten Gütern umgehen. Die globalen Konzerne der unterschiedlichsten Branchen haben ihr "Geschäft" um die Jahrhundertwende mehr und mehr um Wissensarbeit herum neu gruppieren. Erst wenn dieser Typus von Arbeit über Nachahmung und Konkurrenzdruck auch in kleinere Firmen und Organisationen diffundiert, stehen die Chancen besser, über vergleichende Untersuchungen schrittweise präziser zu fassen, was Wissensarbeit ausmacht, sagen Wissenschaftler#2. Doch wir sollten nicht so lange warten, bis wir aus harter Erfahrung wissen, welche Chancen und Risiken Wissensmanagement und organisierte Intelligenz bergen. Für das primäre Risiko, mit der Virtualisierung Lebenserfüllungsmöglichkeiten auf dieser Erde zu vernichten, kann das zu spät sein. Organisierte Wissensarbeit ist notwendige für die Transformation der Arbeits- und Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft. Das ist eine Tautologie und ist nicht hinreichend für das, was wir damit wirklich erreichen wollen, soll es um mehr als den Neuen Beratermarkt gehen, die Lebenserfüllung möglicht vieler!

2.1.1.2 Rücksichtslos eingesetzte Definitionsmacht

Bei denen, welche an Universitäten die Definitionsmacht innehaben, gibt es nach ihren Worten die Geistes#0- und Sozialwissenschaften#2 und die Naturwissenschaften#1. Zwischen ihnen klafft ein Graben, geben sie zu, nachdem sie seit Platon dazu angetreten sind, genau diesen Graben angeblich zum Wohle der Menschheit zu überbrücken. In den beiden Abgründen spricht man, dem Objekt der entsprechenden Wissensarbeit entsprechend unterschiedliche Sprachen, auf der einen Seite die personen-neutrale mit Worten auf der anderen der inhaltsleeren mit Zahlen und ihren Formeln. Die gegenseitige Verständigung ist gestört, weil man sich statt auf die Modellierung der C3-geschöpften, nichtmanipulierbaren Wirklichkeit auf den c3-Konsens in Diskussionen zu verständigen sucht.

So sehen die einen in einem Bild etwas Antikes, wohl eine griechische Statue, eine der Karyatiden im Erechtheion. Andere sehen die Wirkung von schwefliger Säure auf Kalk. Natürlich haben beide Recht, und natürlich lachen beide über den andern. Die erste Kategorie, das sind die am Menschgemachten Eingebildeten. Sie sagen "tempora mutantur, nos et mutamur in illis", sie wissen was ein Sonett ist, sie verwechseln Impressionisten nicht mit Expressionisten und sie sind stolz darauf, nicht zu wissen, was unter einer Motorhaube steckt. Die andern kennen aus der Antike allenfalls den Pythagoras und den Thales. Dafür wissen sie, warum der Himmel blau und das Wasser nass ist. Sie können sich an der Lösung einer Differentialgleichung ergötzen, sie können den Wert einer Aktie berechnen und sie sind stolz darauf, dass sie sich nicht für Goethes Liebschaften interessieren. Das sind die an den Naturgesetzen Ausgebildeten.

Um diesen dermassen blockierten Geisteszustand zu erhalten hat die ETH Zürich für 2002 ein jährliches Budget von nahezu einer Milliarde Franken. Global gibt man pro Tag dafür etwa je eine Milliarde Dollar an Subventionen, und die USA für die Verteidigung aus. Gleichzeitig verhungert alle paar Sekunden ein Kind, obwohl wir doppelt soviel produzieren als wir brauchen. Professor und Nationalrat und UNO-Botschafter Jean Ziegler sagt damit eine Revolution vor. Klaus Schwab tröste sich damit dass seit der Gründung des Davoser Forums von 1971 der relative Anteil der Hungernden leicht abgenommen hat, während die Weltbevölkerung 50% zugenommen hat; das Elend also quantitativ grösser geworden ist. In dieser Zeit hat sich auch die Lohnschere  zwischen den Minimallöhnen und denen der Topmanager auf etwa 500, verzehnfacht...

Kurz und nicht gut, trotz allem Ruhm der Wissenschaft#2, und allem Glanz der Wissenschaft#0 kriegen wir nicht einmal das Verteilproblem auf dieser Erde in den Griff trotz des ungeheuren Fortschritts der dafür missbrauchten Wissenschaft#1, mit denen es möglich wäre. Die etablierte Wissenschaft ignoriert eben Wissenschaft#3 wie eh und je seit Platon, und pre-trans-trapt damit die Lösungen in Form von auf die relevanten Wirklichkeiten hinweisenden  Orientierungswissen, das in den Köpfen reeller Menschen bzw. in deren Gewissen entstehen - angeblich zum Wohle aller, denen es damit zunehmend unwohler wird, ohne dass sie in dieser Mentalfalle verstehen warum...

Die Universität Luzern reitet 2002 erfolgreich auf dieser Welle und bietet mit "Philosopie und Management" ein Nachdiplomkurs mit den alten Denkkatastrophen à la Sokrates, Macchiavelli, Habermas und Sloterdijk über  "Macht", "Der Einzelne und das Kollektiv", "Wahrheit", "Raum und Zeit" an. Damit werden erfahrene Managern für 7800 Fr. einmal mehr über die Ursachen der damit verursachten Humankatastrophen hinweg getäuscht. Man redet vom Langzeitschicksal der davon betroffenen Menschen und meint doch nur den politischen Spielraum, den man nicht einmal mehr für die Politiker, sondern für die inhaltsleere Wirtschaft vergrössern will. Darin sieht man die erlösende Wirklichkeit, mit der sich selbst abzockende Manager als sozialdarwinistisches Spiel des Marktes erklären lassen. Dafür schalten dann Manager ihre Frühwarnsysteme ab, oder lassen sie gar nicht erst zu und lassen selbst ihre Verwaltungsratskollegen wie bei der ABB bei ihren Abzockhandlungen im Dunkeln, da lässt sich gut munkeln...

Was macht der Sozialethiker Hans Ruh mit seiner Wissensarbeit daraus: Er hält das Lohnsystem für dekadent, und fordert, nachdem die Politik und selbst die ökonomische Vernunft versagt hat, und wegen der Globalisierung angeblich nicht mehr über die nötigen Instrumente verfügt, die Selbstheilung der Manager, die nur mit Wissenschaft#3 erreichbar ist, gegen die er sich mit seiner Wissenschaft#2 im Verwaltungsrat von alternativen Finanzinstituten zur Wahrung seines Rufes wehrt...  

Wissensarbeit könnte zur Überwindung von sich aus ungerechtfertigten Schuldzuweisungen ergebenden Aggression führen und statt dessen dem Hinweis auf die relevanten Wirklichkeiten Bedeutung geben... 

  Kontext     Fragmentierung#2


> Bitte senden Sie Ihr FEEDBACK an ZustandigVersion 26.12.04