|
| Kann eine wertende Auswahl zu einer Wendung zum Besseren führen? 1930 veröffentlichte Sigmund Freud seine tiefgründige Abhandlung über „Das Unbehagen in der Kultur“. Dieser Text stellt dar, welche Opfer die Teilnahme an der personen-neutralen Kultur uns Menschen auferlegt! Kultur müsse verteidigt werden gegen jene Einzelnen, die alle mit ihr verbundenen Zwänge als drückend empfinden. Der Urmensch hatte es in der Tat darin besser, da er keine Triebeinschränkungen kannte«, schreibt Freud - als ob dies das einzig Problem sei! Ein ähnliches Unbehagen entsteht auch, wenn die scheinbar und anscheinend existierende Bildungsverpflichtung zur Diskussion steht, bestimmte traditionsgesättigte, bedeutungsschwere oder musterhafte Bücher gelesen haben zu »müssen«. Skepsis solcher Art gab es schon immer. Goethe hat diese psychopolitische Verpflichtung dagegen unnachsichtig streng im Buch des Unmuts aus seinem West-östlichen Divan ausgedrückt: Wer nicht von dreitausend Jahren Sich weiss Rechenschaft zu geben, Bleib im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben. Gegenüber dem Reiz, gegenüber der Gewalt glühend vitalen Rausches scheinen zunächst auch die kulturbildende Bedeutung von Meisterwerke zurückweichen zu müssen. Aber bald treten sie wieder hervor und verlangen ihr Recht auf unsere Aufmerksamkeit. Natürlich bereitet es Vergnügen, gegen kanonisch-dogmatische Setzungen oder noch so gediegene Auswahl-Entscheidungen aufzubegehren. Denn derartige Entscheidungen sind ihrem Wesen nach unbeweisbar...
Deren Mentalverführungstechniken sind zum Subjekt der Geschichte geworden, reelle Menschen treten höchstens noch als Randerscheinungen, antiquiert eben, auf. Eine ungeheure Kluft liege zwischen der Welt und dem mit mental Methodischem technisch Möglichen und Machbaren einerseits und dem Vermögen des Gewissens, auf die möglichen verheerenden Konsequenzen dieses obsessiven Fortschreitens einzugehen: Die Menschen sind der Perfektion ihres Wunschdenkens in ihren Produkte und Systemen nicht mehr gewachsen. Sie bewirken wie Zauberlehrlinge damit mehr, als sie verantworten können. Sie glauben nur noch daran, zu dürfen, was sie können! Damit geht es um die »Banalität des Bösen« mit der Menschen mit ungewöhnlicher Beflissenheit, nur noch alles tun, was ihrem Fortkommen dienlich sein könnte; darüber hinaus, das zu unterstützen, hat eben der Markt überhaupt keine Moral und die Beteiligten keine Motive. Die daraus folgende, schreckliche und erschreckende« Normalität der Verwaltung der Zerstörung von Lebenserfüllungsmöglichkeiten zeigt sich in der Trivialität der Motive und der Grauenhaftigkeit ihres Handelns, und der kalten Unfähigkeit, ein Wirklichkeitsbewusstsein aus ihrem Tun und Lassen zu entwickeln. Der anonyme Intellektuelle, Funktionär und Technokrat wird heute als Spitze des psychopolitischen Eisberges als abzockender Manager wie früher Eichmann, dem Verwalter des Genozids der Nazi, zum Prototyp dessen Bösen, vor dem das Wort versagt und das Denken scheitert. Dagegen vermag in dieser intellektuellen Beschränkung auf das Personenneutrale kein menschliches Recht einzuschreiten, damit man noch mit dem Recht, Recht bekommen kann. Die Tragödie dieser geisteswissenschaftlich projizierten Gewissensbeschränktheit besteht nach Aristoteles aus den sechs qualitativen Elementen Handlung (Mythos), Charakter (Ethe), Sprache (Lexis), Schau (Opsis), Gedanke/Absicht (Dianoia) und Gesang (Melopoiia). Die Handlung besteht aus einer Verknüpfung von Begebenheiten zu einem einheitlichen, für alle verbindlichen Ganzen. Innerhalb des Handlungsverlaufs eines solchen psychopolitischen Dramas muss ein Wendepunkt, die Peripetie, eintreten. Dieser Umschlag vom Glück ins Unglück wird durch das Handeln des Protagonisten erklärt, der ein tüchtiger, aber fehlbarer Charakter sein sollte und durch seinen Fehler, sei es Unwissenheit oder Hybris, dem Zuschauer ähnelt. Damit ist dann der Ansatz gegeben, beliebig alle Menschen psychopolitisch zu indoktrinieren. Die auf Grund solcher Denkkatastrophen fehlerhafte Handlungsweise des tragischen Helden zwingt diesen, schweres Leid zu ertragen und führt, oft verbunden mit einem Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis, zur Humankatastrophe. Die Wirkung solcher Tragödien auf den Zuschauer gründet sich auf die Erregung der physischen Affekte Jammer (eleos) und Schauder (phobos) mit dem Ziel der Katharsis, die als Erleichterung und Befreiung erlebt werden soll, wenn der Sündenbock eliminiert und die gewohnte Pre-Trans-Trap wieder hergestellt ist. Der Mensch ist für Psychopolitiker ausgehend von Aristoteles von Natur aus ein politisches Lebewesen. In seiner politischen Gemeinschaft teilt dieser „Mensch“ mit seinen Mitbürgern ein Verständnis für die Tugenden, durch deren Vollzug sein Leben angeblich glücken soll – sich also nicht etwa an dem reelle Menschen ausmachenden Lebenserfüllungsgesetz erfüllt. Dafür geht es um zentrale Tugenden wie „Gerechtigkeit“ und „Tapferkeit“, „Besonnenheit“ und die verbindende „Freundschaft“. Der Bürger des Aristoteles ist der politisch Mitbestimmende, der am Richten und Regieren Anteil hat. Politik besteht im Miteinander-Reden und Miteinander-Handeln. Deshalb ist es auch politisch bedeutsam, dass der Mensch von seinem Wesen her bloss ein sprachbegabtes Sinnenwesen (zoon logon echon) ist und bleibt. Damit ist es die Aufgabe der Psychopolitiker genügend reelle Menschen mit allen Mitteln von der politischen Korrektheit der entsprechenden Pre-Trans-Trap zu über-zeugen. Aristoteles unterscheidet dafür sechs Verfassungsformen, drei seiner Ansicht nach gute (Königsherrschaft, Aristokratie, Politie) sowie drei entartete (Tyrannis, Oligarchie, Demokratie). Nicht einheitlich beantwortet die von ihm ausgehende Philosophie jedoch die Frage, welche Verfassung die beste sei. Dahinter verbirgt sich keine philosophische Unentschlossenheit sondern deren Beliebigkeit, womit sie in der Postmoderne ihr Gesicht in der Krise ihrer Geisterwissenschaft zu verlieren beginnt: Es geht ihr bei der Frage nach der besten Verfassung jeweils um die vorherrschenden Umstände, die ihr weiterhin Definitionsmacht erlauben, zu berücksichtigen. Auf dieser Basis entstanden ihre massgebenden Schriften zur politischen „Wissenschaft“ über die vergangenen, damit verheerenden Jahrhunderte. Als Marx an die Kritik der Ökonomie der griechische Philosoph anknüpfte, war der seichte Grund für das grausamste Jahrhundert, das letzte, gelegt. Und nun geht die Mentalpest mit ihren beliebigen sich am Zeitgeist mutierenden Mentalviren um. Der "Mensch" an sich ist in der psychopolitisch vorherrschenden Mentalität in seiner Vorstellungswelt ohne den reellen Menschen denkbar; damit erscheint Letzterer nur mit Bezug auf Ersteren determinier- und differenzierbar. Naive sehen das nur in Bezug auf "Mann" und "Frau": Er sei das Subjekt, das Absolute, heisst es bei ihnen, sie sei das Andere und daraus haben sich die jahrtausendealten Einschränkungen der Frau und ihr Unterlegenheitsgefühl ergeben - nicht aus der im Allgemeinen überlegene Körperkraft des Mannes. Dazu erkläre Sigmund Freud, der weiblichen Psyche liege einfach das männliche Modell zugrunde, und dem Materialismus billigt man zu, wichtige Wahrheiten, wie die Freuds, dass Allem das Todesprinzip zu Grund liege. Damit werden die persönlichen und körperlichen Erfahrungen, die zum Leben und dessen Erfüllung führen wie Menstruation, Liebesakt und Gebären, Erleben, Gewissenszweifel und Tod im Vergleich zum Intellekt als primitiv, unerfreulich oder demütigend aus dem Wirklichkeitsbezug verdrängt. Im „Der Grosstyrann und das Gericht“ schildert uns Werner Bergengruen das verbleibende psychopolisch dominierte Leben: Der namenlose Grosstyrann ist mit »Herrschaflichkeit« anzusprechen. Er, der schöne Mann von kühler, selbstreflexiver Geistigkeit ist auf dem einsamen Gipfel der Macht und will in seinen Werken überleben. Das von ihm beherrschte Kollektiv stellt er auf die Probe: „Und Gott will ja auch dass Versuchungen seien... Und es dem Menschen wohl auch eine besondere Lust an der Verrichtung dieses Auftrags eingeboren“ rechtfertig er sich als Psychopolitiker. Sein Gimpel von niederer Herkunft, aber mit scharfer Intelligenz und unbestechlicher Loyalität ist hat die zweitmächtigsten Position. Sein Dienst ist sein Lebensinhalt. Doch unter den verstörenden Zweifeln an sich selbst und an der bestehenden Ordnung leidet seine Liebe zur kinderlosen Vittoria Confini. Ihr Leitspruch: l „Nichts ist vielgestaltiger als die Liebe“ stürzt sie in einen unlösbaren Konflikt zwischen Pflicht und Gefühl. Das Leben Ihres Mannes aus Altem Adel, Pandolfo Confini ist vom Geschäft bestimmt. Nach gleichgültig ertragener kurzer Krankheit verliert er gegen den Tod. Da ist noch ein geradlinig moralisch denkender Jurastudent, Kandidat als zukünftiger Gimpel, dessen jugendliche Unbefangenheit den Grosstyrannen beeindruckt. Umgekehrt fasziniert ihn dessen überragende Persönlichkeit. Seine Schwester, reich, gutmutig, aber hässlich, bringt mit ihrer Hilfsbereitschaft und ihren wohlmeinenden Intrigen die Familie in Gefahr. Der arme Färber vernachlässigt seinen Beruf zugunsten religiösen Sektierertums. Sein radikales Verständnis christlicher Nächstenliebe treibt ihn dazu, sich als Sündenbock und neuer Jesus zu opfern. Die stadtbekannte naiv-gutwillige Hure profitiert mit Unterstützung ihrer Familie von den Verwirrungen ihrer Familie mit ihrem Neuen Ruhm. Der ehrliche alte Priester bricht unter massiven Drohungen beinahe das n Beichtgeheimnis, stellt jedoch am Schluss den Grosstyrannen mutig zur Rede. Damit bleibt uns der Intellekt, die kollektiven Archetypen und die Psychoanalyse unter der Hoheit der Psychopolitiker bis zur Götterdämmerung bzw. dem Grounding erhalten… Eigentlich ist die Zeit schon nach der Zeitwende dafür gekommen, dass die Menschen, die sich verschieden voneinander erleben, ihr Leben, statt es für ein abstraktes Kollektiv zu verschwenden, in ihrem wirkliches Sosein erfüllen! |
Die Site Think-Systems.ch ist offen und entwickelt sich dort, wo sich im Hinblick auf die Lebenserfüllung möglichst vieler relevante Einsichten ergeben mit deren Operationalisierung. Dabei mitzumachen sind SIE WILLKOMMEN. Die mit * markierten Sites sind noch in Entstehen begriffen und nur den daran mit Rechtzeitig Projekt-Orientierten Kompetenzaustausch, RPOK© Arbeitenden, zugänglich. |